Familienbande, die binden

Eine junge Bewohnerin des Hauses der Chance wäre fast auf eine vage Jobzusage hin in ein anderes Land gereist. Glücklicherweise konnte unser FSCI Team sie davon überzeugen, das Risiko nicht einzugehen. Sie hat jetzt eine Chance, neu anzufangen und ihren Träumen von einem normalen Leben nachzugehen.

 

Valya* wuchs in einem Heim in Nordbulgarien auf, weil ihre Mutter starb, als sie noch sehr klein war und ihr Vater gewalttätig wurde. Als sie von einigen Freunden vom Haus der Chance hörte, mit denen sie im Heim aufgewachsen war, schloss sie sich dem Programm an und begann ihre Reise in die Unabhängigkeit.

Das Team im Haus der Chance gab sich große Mühe Valya zu ermutigen, ihre Ausbildung zu beenden. Leider fiel sie durch alle Prüfungen durch und fand es schwer, bei einer Arbeitsstelle länger auszuhalten. In zwei Jahren wechselte sie siebenmal die Arbeitsstelle, hatte jedoch während ihres gesamten Aufenthalts im Haus immer wieder Arbeit. Im Haus der Chance fand Valya die nötige Unterstützung sowie ein sicheres familiäres Umfeld. Hier konnte sie Vieles ausprobieren und ihren Träumen von einem Zuhause und einer Familie näher kommen.

Eines Tages, als ein Grenzpolizist ins Haus kam, um über die Methoden von Kriminellen aufzuklären, womit sie versuchen gefährdete junge Menschen wie unsere Bewohner zu verführen, teilte Valya uns mit, dass ihr Vater ein Menschenhändler war. Er versprach Menschen, dass er ihnen einen Job in einem anderen Land besorgen würde. Nachdem er sie jedoch in das Land gebracht hatte, nahm er ihnen ihr Geld weg und ließ sie ohne einen Job im Stich oder verkaufte sie weiter. Der Polizist enthüllte, dass er an der Gefangennahme und erfolgreichen Strafverfolgung von Valyas Vater, der jetzt im Gefängnis sitzt, beteiligt war.

Nicht lange danach kontaktierte die Schwester ihres Vaters Valya. Ihre Tante bot ihr Transport nach Tschechien, Unterkunft und Arbeit an. Die beiden hatten sich seit Jahren nicht mehr gesehen. Trotz der Geschichte ihres Vaters und trotz aller Aufklärungsarbeit vonseiten des Teams, beschloss Valya, ihrer Tante zu vertrauen und das Haus auf vage Versprechungen hin zu verlassen.

Als das Mitarbeiterteam davon erfuhr, erkannte es schnell, dass Valyas Plan mit größter Wahrscheinlichkeit auf Lügen beruhte und zu einem Leben voll Kummer und Ausbeutung führen könnte. Das Team versuchte sie davon zu überzeugen, dass sie in sehr großer Gefahr stand, ein Opfer von Menschenhandel zu werden. Sie wollte jedoch nichts davon hören und war trotz der Warnungen fest entschlossen zu gehen.

Valya fuhr nach Sofia, wo sie den Bus wechseln musste. Das dortige FSCI-Team konnte Valya am Busbahnhof abfangen und bot ihr in dem Haus der Chance in Sofia eine Übernachtungsmöglichkeit an. Sie sprachen fast die ganze Nacht mit Valya über ihre geplante Reise in die Tschechische Republik. Zuerst war Valya wütend auf das Team, wollte nicht zuhören und weigerte sich, die Gefahren zu akzeptieren, die möglicherweise auf sie zukamen, beruhigte sich aber nach einer Weile. Am nächsten Morgen beschloss Valya, den Rat des Teams zu befolgen und in ihre Heimatstadt zurückzukehren.

Wir glauben, dass Dank der Hingabe und des Mitgefühls unseres Teams Valya davor bewahrt wurde, ein Opfer von Menschenhandel zu werden. Valya hat eine Anstellung, lebt in der Nähe des Hauses der Chance, wird von dem Team dort unterstützt und lernt wieder, dass sie der ‚Familie’, die sie dort hat, vertrauen kann – und leider nicht ihrer leiblichen Familie, die irgendwo da draußen ist.

* Name geändert, um die Anonymität zu schützen.