Die Angst

By September 13, 2021 Haus der Chance, Stories

Tod und Verzweiflung verfolgten Elena als Kind. Aber sie lässt sich von der Angst nicht zurückhalten.

Als Elena* noch ein sehr junges Mädchen war, wurde ihre Mutter von ihrem Vater ermordet. Der Sozialdienst brachte sie in eine Pflegefamilie, wo sie so viele Qualen erlitt, dass sie im Alter von neun Jahren einen Polizisten anhielt und darum bat, in ein Waisenhaus gebracht zu werden. Dort blieb sie dann neun Jahre, kämpfte mit der Schule und fand weder ein Ventil für ihr Trauma noch ihre angeborene Kreativität.

Anfang 2020 wurde Elena 18 Jahre alt und konnte ins Haus der Chance in Belgrad ziehen, das von der FSCI-Partnerorganisation Centar Zvezda betrieben wird. Als schüchternes und ruhiges Mädchen fiel es Elena schwer, sich anzupassen, und zog es vor, wenn möglich allein zu sein. Sie zweifelte, ob sie sich jemals an dieses neue Leben gewöhnen könnte.

Im Haus der Chance fiel es ihr am Anfang sehr schwer, Mitarbeitern und anderen jungen Menschen zu vertrauen. Sie hatte Begegnungen mit anderen jungen Menschen, die ähnliche schmerzhafte Erfahrungen gemacht hatten wie sie, die bei ihr Angst auslösten.

Mit der Zeit konnte Elena jedoch gegen ihre Zweifel und Ängste angehen und viele Fortschritte machen. Dabei half ihr auch ihre Kreativität, die sie beim Sozialunternehmen von Centar Zvezda einsetzen kann. Besonders gerne entwirft und kreiert sie Kerzen, die immer mehr Aufträge von Unternehmen in Belgrad anziehen. Elena hat sich als so begabt bewiesen, dass sie ausgewählt wurde, das Sozialunternehmen in der Schweiz zu vertreten. Dort half sie, viele der handgefertigten Souvenirs und Kunsthandwerke zu verkaufen, die sie und die anderen Bewohner des Hauses der Chance hergestellt hatten.

Diese Erfahrung, zusammen mit der Erkenntnis, dass sie den Hauseltern tatsächlich vertrauen kann, half ihr auch in anderen Lebensbereichen zu vertrauen. So hat sie bereits eine Jugendkonferenz in Deutschland besucht, ihre Fahrprüfung bestanden und ihren Führerschein gemacht. Sie hat jetzt eine feste Anstellung in einer Druckerei und bekommt von Freiwilligen einer örtlichen Bank Hilfe im Umgang mit Geld.

Jetzt hat sie sich das Ziel gesetzt am Ende des Jahres, wenn sie das Programm Haus der Chance abschließen wird, in ihre eigene Wohnung einzuziehen.

Elena sagt uns, dass sie „bereit ist für ein unabhängiges Leben, sich darauf freut und weniger Angst hat als vor zwei Jahren.“ Elena ist entschlossen, die Angst hinter sich zu lassen. Und wir werden sie dabei weiter unterstützen.

*Name geändert